10.04.2019

Salon ohne Grenzen

Mit welchen Grenzen sehen wir uns manchmal konfrontiert? Ländergrenzen, kulturelle, Grenzen der Wahrnehmung, des Glaubens, der Liebe?

„Grenzen sind Verbindungspunkte“

Anfang April in Südwestfrankreich. Hier trafen sich fünf Salonièren, Frauen, die mit ihren Salons – in Anlehnung an die Salonkultur des 18., 19. Jahrhunderts – Gesprächsräume schaffen. Dabei erleben wir immer wieder das: Dort wo sich das Unbekannte trifft, entsteht die Möglichkeit zu gegenseitigem Verständnis. Der imaginierte Drache verliert seinen Schrecken. Vor mir steht ein Mensch, den kennen zu lernen und von dem zu lernen, ein Geschenk ist.

Im Jahr 2012 besuchte ich eine Konferenz in der WestBank, Israel. Im Stil des „Art of Hostings“ saßen rund 80 Palästinenser und Israelis im großen Kreis und erzählten ihre Geschichten. Sie erzählten von ihren Familien, ihren Träumen, Erfahrungen, dem Schrecken und von der Hoffnung. Ihre Geschichten berührten und machten deutlich: hier redeten keine Feinde, nicht die von der „richtigen“ oder der „falschen“ Seite; es sprachen Menschen.

Unsere Geschichten zu teilen, schafft Verbundenheit.

In einem Salon kommt eine weitere Komponente hinzu. In diesem privaten Rahmen, in dem sich Menschen aller Couleur treffen, lernen sie sich nicht nur untereinander kennen, sie tauchen auch ein in ein Thema. Gedankenfesseln dürfen gesprengt, Wissen getankt und geteilt werden. Wie denken andere über Idealismus oder den Tod? Wie unterscheiden sich die Perspektiven der Philosophen der Antike und der Neuzeit über das, was ist? Was ist wahr? Was sollen und wollen wir denken?

Ich persönlich liebe es, Gastgeberin zu sein und mit meiner Philosopherei einen Rahmen zu bereiten, in dem wunderbare Gäste mit Wertschätzung und Genuss ins Gespräch kommen. Und die eigenen Grenzen verlassen.

Ich tue dies in Hannover. Karoline Rütter hat ihren Salon in Berlin, Louisa Bolm den ihren in Lübeck. Elke Jeanrond-Premauer erweitert ihren Salon auf eine ganze Woche, mit den „Denkwochen“ im französischen Château d’Orion. Anka Vollmann fördert den Dialog wiederum mit dem klaerwerk berlin. Per Skype zugeschaltet war Steffen Vogt, der gemeinsam mit Romas Stukenberg den Creative Leadership Salon in München durchführt. Wir sind nur ein kleiner Kreis. Schaut man aber auf alle Saloniers und Salonièren in Europa, dann wird die Kraft, die in diesem Format steckt, deutlich: Der friedlich-kontroverse Dialog. Die Verbindung von Menschen. Das Schaffen von Möglichkeitsräumen. Wir öffnen Schubladen und lassen die Begrenzungen hinter uns.

Willkommen im Salon ohne Grenzen.


Was wir planen:
Salonanbieter*innen in ganz Europa miteinander verbinden, um die Salon- und Gesprächskultur zu stärken. Es geht um Förderung und Vernetzung, gegenseitige Inspiration, Teilen von Themen & Methoden, Herstellen von Kontakten zu spannenden Referenten, eine Übersicht aller gelisteten Salons in Europa mit jeweiligem Exposé zur besseren Orientierung für unsere Gäste. Es geht um den Dialog über Themen, die uns als europäische Zivilgesellschaft bewegen. Es geht um uns Menschen.

Was als nächstes passiert:
Wir kreieren eine Website und erweitern unser Salon-Netzwerk. Wir erhöhen die Sichtbarkeit dieser Idee und Vereinigung via Social Media, PR und im persönlichen Gespräch. Bei einer Veranstaltung der Urania in Berlin zum Thema „Vision findet Stadt“ dürfen wir eine Radiosendung über Salonkultur mitgestalten. Wir entwickeln ein „Salon-Starter-Kit“ für Interessierte. Wir legen einfach los.

Haben Sie Fragen, Anregungen, Kritik oder Kontakte? Wollen Sie auf dem neuesten Stand gehalten werden? Schreiben Sie mir einfach über das Kontaktformular.

„Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.“ – Antoine de Saint-Exupery
Also dann!


Auf dem Bild, von links nach rechts:
Anka Vollmann, Elke Jeanrond-Premauer, Karoline Rütter, Louisa Bolm, Anna Brandes